Szeged-Tápé

Siedlung aus der Arpaden-Zeit, urkundlich erstmals 1138 unter den Namen „Tapai“ erwähnt. In der Geschichte des Ungarntums wurde Tápé wegen des Binnenhafens wichtig, der den Theiss-Übergang sicherte. Die erste Angabe über eine Fähre stammt aus dem Jahre 1528. Die Fähre wurde seinerzeit aus Eiche, das Gerippe aus Akazienholz gefertigt. Die letzte Fähre aus Holz in Tápé war das größte Wasser-Verkehrsmittel auf der unteren Strecke von der Theiss: seine Länge war beinahe 24 m, die Breite betrug 8 m. Händisch oder mit der Zugwinde wurde die Fähre zwischen den Ufern gezogen. Im Winter hatte die Fähre nur im Eistreiben Stillstand. Auch heute gibt es noch die Fähre, sie bringt Passagiere und Fahrzeuge fahrplanmäßig über die Theiss.

Tápé ist seit 1973 Teil von Szeged, es bewahrt aber sorgfältig seine einzigartigen Traditionen. Unter diesen zeichnet sich das Mattenflechten aus. Auf dem wässerigen Überschwemmungsgebiet der Theissufer gab es wenig Acker, um so mehr aber von dem Riedgras, Schilfrohr und Bast. Diese letztere einfache Pflanze sicherte jahrhundertelang Arbeit und Lebensunterhalt für die Einwohner von Tápé. In dem 15. Jahrhundert wurden die Salzblöcke mit Bastmatten eingewickelt transportiert, später schützten die Gärtner damit die empfindlichen Pflänzchen vor dem Frost oder eben vor dem Übermaß an Sonnenschein. Die Mitglieder von der Bastwerkstatt von Tápé bewahren das beinahe 1000jährige Wissen, das Flechten. Während früher überwiegend Teppiche, Taschen, Stiefel, Pantoffel und sonstige Gebrauchsgegenstände geflochten wurden, macht man heute – gemäß der modernen Erwartungen – Küchenzubehör, Kerzenständer oder eben Etuis für Laptop und CD-Behälter aus Bast. Den Beschäftigungen und der ständigen Ausstellung der Werkstatt gibt das Kulturhaus Ödön Heller heim.

Die Vergangenheit und Traditionen von Tápé bewahrt die Sammlung von József Lele jr., der seine Sammlertätigkeit 1967, auf Anregen des Ethnografen Sándor Bálint begann. Die Privatsammlung mit dem Charakter eines Dorfmuseums zeigt das religiöse Leben der hiesigen Katoliker, das Mattenflechten, die Fischerei, die Trachten und die Wirtschaft des Dorfes. Einige Hausmakette und die verkleinerte Kopie der ehemaligen Kirche vervollständigen die Sammlung. Adresse: Vártó utca 4., Öffnungszeiten: 1. April bis 30. Oktober, an Werktagen 15-19 Uhr.

 

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