Weinplatz

18-22. September, 2019.

Szeged verfügt über weder groß angelegte Weinberge, noch Keller, wo Schätze seit Jahrhunderten reifen könnten, dennoch hat sie eine Bevölkerung, die Wein versteht und gern hat. Was dahinter steckt, können wir erforschen, man kann die Vergangenheit darüber fragen. Vielleicht der traditionelle Weinhandel ist die Ursache, denn die besten Weine aus dem Süden des mittelalterlichen Ungarns (heute Serbien) wurden nach dem kühlem Norden, bis nach Krakau eben durch Szegediner Kaufleute befördert. Oder, eben das, dass die Wirte in Szeged noch vor einem Jahrhundert auch mit ihren Weingärten auf dem Sand, der extrem viel Arbeit bedeutet, gekämpft hatten. Auf jedem Fall, neben dem Weinfestival im Frühling, entwickelte sich in den letzten Jahren ein  anderes Ereignis, mit anderem Platz und Stil, jedoch sehr zu Szeged passend, unter den Namen Bortér (Weinplatz). Mitte September, wenn die Metalltraverse des Zuschauerraumes der Freilichtspiele schon abgeräumt worden sind, werden auf dem Steinen des Domplatzes Holzhütten, Tische und Bänke in geordneten Reihen aufgestellt, Bühnen und Sparherde finden ihren Platz. Dieses Weinfest ist kleiner, familiärer, etwa 60 Winzer bieten eine Kostprobe von dem Ergebnis ihrer Arbeit in vier Tagen an. Das Publikum ist ruhig, an den schnell abkühlenden Herbstabenden fällt einem ein frischer Braten gut, dazu ein-zwei Gläser Wein aus dem Alten, denn der Heurige ist entweder noch am Stock oder nimmt eben Form in den Kellern. Nach dem Arbeitstag sich zu erholen, über Traube und Wein nachzudenken, mit alten Freunden anzustoßen – für dies alles bietet eine hervorragende Möglichkeit das jüngste Weinfestival von Szeged, auf einem symbolischen Schauplatz, im Schatten von dem Doppelturm der Votivkirche.

 

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