Der Raichl-Palast

Der Palast des Architekten hier in Szeged ist zwar etwas größer und prunkhafter, als sein Palast in Szabadka (Maria-Teresianopel in Serbien), jedoch erreicht es nicht dessen großartige Stileinheit und Erarbeitung der kleinen Details. Trotzdem ist es ein durchweg elegantes und imposantes Gebäude. Raichl konnte sein Werk wegen finanziellen Schwierigkeiten nicht vollenden, daher verkaufte er das Haus an den Anwalt János Vadász (1880-1944), der ganz kosequent die Vorstellungen des Entwerfers durchzog. In der Zeit seines Aufbaus erhob sich noch das Haus aus seiner Umgebung und seine Fassade wurde damals noch nicht durch die Bäume versteckt. Die großen Holztoren der damaligen Läden im Erdgeschoss sieht man heute auch nicht mehr. Sehenswert ist die Gestaltung der Ecke des Gebäudes. Die geschlossenen Balkons verfügen über robuste Formen und Majolika-Verzierungen. Darüber sieht man unter den hölzernen Vordächern verzierte, offene Balkons und über diesen sind die ockergelben und eckturmförmigen Keramikverzierungen mit ungarischen Volksmotiven zu bewundern. Ein basteiförmig abgebildeter Turm erhöht sich über das Dach. Die seitlichen Fassaden sind mit gold- und blaufarbigen ungarischen Volksmotiven beschmückt, deren reliefartigen Motiven aus Keramik mit Ranken oder Blumen mal die Fenster umrahmen, mal die Wände bedecken. Auch die kleinen Details am Gebäude sind durchweg sehenswert, wie die spitzenartigen Brüstungen aus Gußeisen und die verzierten Blumenhalter in den Fenstern.

Das Gebäude wurde von seinem Entwerfer als Privatpalais entworfen und erbaut. Im Erdgeschoss existierten einst Geschäfte mit großen Portalen. Heute sieht man diesen Zustand nur noch am Eingang des Gebäudes. Zwischen 1911 und ’12 existierte hier ein Filmtheater. Nach dem zweiten Weltkrieg diente es als Schülerheim, seit den 70er Jahren ist hier das Gymnasium Ságvári Endre der Szegeder Universität, seit 1986 ist es das Hauptgebäude des Lehrinstituts. Für die Zwecke einer Schule wurden leider mehrere Gußeisenbrüsten ersetzt, an der Stelle der früheren Läden befinden sich heute Klassenräume. Der Dachraum wurde wegen Austattung von weiteren Klassenzimmer eingebaut, die Schorsteine wurden abgerissen.

 

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